Stadt

Titanenwurz: eine gigantische Blüte in Wien

gepostet von Stadtstreunerin | Eva 12. Juni 2022

Es ist fast schon ein Jahrhundertereignis: Die Wiener Titanenwurz blüht! Zwar bildet die unförmige Pflanze alle zwei bis drei Jahre eine Blüte aus, aber wenn es soweit ist, muss auf jeden Fall gefeiert werden. Mit allem, was sich für die größte Blüte der Welt gehört: viel Andrang und Medienrummel. Schon in den Tagen davor wurde in ganz Wien gerätselt: Blüht sie heute auf? Oder erst morgen?

Als es dann am 29. Mai 2022 endlich soweit ist, schafft es die Blüte sogar auf die Titelseite einer Wiener Zeitung. Umfragen werden gestartet, die sozialen Medien mit Bildern befüllt. Was für ein Spektakel – und das alles für eine Pflanze!

Geh ma Titanenwurz schauen!

Das Glashaus der Glashäuser

Ein Pflanzenphallus

Es ist eben eine besondere Pflanze, die Amorphophallus titanum. Ein Teil ihres Ruhms liegt darin begründet, dass ihr botanischer Name mit “gigantischer unförmiger Penis” übersetzt werden kann. In Wien, der Stadt Sigmund Freuds, erzeugt das offensichtlich eine Resonanz: vom Penisneid zur Penispflanze!

Ein weiterer Grund für den Hype ist der Geruch oder besser: Gestank, den die Titanenwurz ausströmt. Er wird als der Gestank nach verwesenden Kadavern beschrieben. Wahrlich nicht schmeichelhaft! Damit lockt die Pflanze aasfressende Insekten an, die dann ihre Pollen weitertragen sollen. 

Auch eine große Blüte fängt mal klein an

Faszinierend!

The hype is real!

Als ich an dem frühlingshaften Abend den Botanischen Garten Wien erreiche, muss ich bis fast ans andere Ende des Parks gehen, um mich in die Warteschlange einzureihen. Knapp eine Stunde lange stehe ich mir die Beine in den Bauch, nur um die gehypte Pflanze aus der Nähe zu sehen und – natürlich – zu riechen. Aber es lohnt sich: Der schwere, süßliche Geruch ist interessant. Noch beeindruckender ist aber die Wärme, die die Pflanze erzeugt. Das Gewächshaus ist ganz eigenartig warm. Man merkt: Da passiert etwas!

In der Warteschlange

Besser den Atem anhalten!

Andere Pflanzen gibt es auch noch…

Während sich rundherum Menschen gruppieren, Fotos machen und sogar Selfies mit sich und der Pflanze aufnehmen, arbeitet ein Biologe daran, eine Gewebeprobe zu entnehmen. Die kurze Blütezeit – nach nicht einmal 48 Stunden knickt der Blütenphallus wieder ein – wird dazu genutzt, die Titanenwurz besser zu verstehen. Noch sind einige Fragen offen: Was passiert mit den angelockten Insekten? Wie funktioniert die Fortpflanzung genau? 

Hier ist die Gewebeprobe!

Die Blüte erforschen

Im Regenwald auf Sumatra, der ursprünglichen Heimat der Amorphophallus titanum, stehen die Pflanzen weit auseinander. Der Trick mit der Wärme sichert die Fortpflanzung: Dadurch entstehen Luftströme, die den Aas-Geruch durch den Wald transportieren und Insekten von weit her anlocken. Kaum sind die Insekten wieder entlassen, fliegen sie in die nächste Falle und sorgen dort für die Bestäubung. Und das scheint tatsächlich zu funktionieren.

Es ist eben so: Nichts ist banal auf dieser Welt – schon gar nicht die größte Blüte!

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