Streunen

Ich war noch nie in Eisenstadt

gepostet von Stadtstreunerin | Eva 29. März 2021

Am 26. Dezember 2020 beginnt der dritte Lockdown in Österreich – oder ist es doch die Fortsetzung des zweiten Lockdowns? Ich habe schon lange keinen Überblick mehr… Meinen traditionellen Weihnachtsausflug am Stephanitag will ich mir aber nicht nehmen lassen, Lockdown hin oder her. Auch eingeschränkt und mit den mittlerweile gewohnten Sicherheitsvorkehrungen lässt sich Neuland erkunden!

So führen mich die Wege diesmal nach Eisenstadt und damit in die einzige Landeshauptstadt in Österreich, in der ich noch nie war. Mit dabei sind auch meine Mutter (ebenfalls zum ersten Mal in Eisenstadt) und Andreas, der immerhin einen Besuch vor einigen Jahren vorweisen kann.

Ein Tiny House für eine kleine Stadt

Eisenstadt mit seinen knapp 15.000 Einwohner*innen ist eine Stadt mit vielen Namen: Auf Burgenlandkroatisch heißt Eisenstadt Željezno, auf Ungarisch Kismarton, auf Romani Tikni Marton und auf Hebräisch Asch. Die unterschiedlichen Namen geben einen Einblick in die Geschichte der Stadt – Željezno enthält ebenfalls das Wort für Eisen, Kismarton und wohl auch Tikni Marton beziehen sich auf den heiligen Martin (Eisenstadt hieß ursprünglich übrigens Kleinmartinsdorf!) und Asch ist die hebräische Abkürzung von Eisenstadt. 

In der Stadt selbst ist von der historisch gewachsenen Sprachenvielfalt im Burgenland aber kaum etwas zu bemerken. Als langjährige Beobachterin der Volksgruppenpolitik in Österreich leider etwas, das mich nicht erstaunen kann…

Da ist auch das Krokodil sprachlos!

Kalter Wind bläst uns von der Seite an und bringt uns fast von unserem Weg ab, als wir vom Bahnhof zum Stadtzentrum spazieren. Warum nur mache ich den Ausflug zu Weihnachten und nicht irgendwann im Sommer, verfluche ich die langjährige Tradition. Aber trotz der Kälte finden wir Gefallen an Eisenstadt.  

Eisenstadt ist ein Park

Das liegt vor allem an dem ausgedehnten Schlosspark: Hinter dem Schloss Esterházy, parallel zu der schönen Fußgänger*innenzone im Zentrum,  erstreckt sich ein weitläufiger Park mit allem, was zu einem romantischen “englischen Garten” dazu gehört: Bei einem Streifzug durch das Gelände finden wir einen künstlichen Wasserfall, einen Obelisken, seltene Baumarten, einen Pavillon und mehrere Teiche. 

Teich Nummer 1

Baum mit Seltenheitswert: eine Libanonzeder

Am höchsten Punkt des Parks, wo der Obelisk steht, geben die Bäume den Blick frei in das Eisenstädter Umland. Der Neusiedler See ist heute leider nur zu erahnen; die in früheren Zeiten berühmte Sicht auf den seichten See ist heute zugewachsen. Stattdessen finde ich hinter dem Obelisken einen toten Hasen im Gras, vielleicht hat er sich verletzt und ist dann erfroren. Armer Hase!

Die Stadt am Meer

Im unteren Bereich des Parks bewundern wir weitere romantische Elemente des Schlossparks. Wir kommen zu einem schönen Pavillon, der über einer wohl künstlich angelegten Felswand thront. In den Felsen sind viele Muschelabdrücke zu finden. Eisenstadt – die Stadt am Meer! 

Eindeutig mediterran wirkt auch die schönbrunngelbe Orangerie im Park mit den schönen, großen Fenstern. Darinnen sehen wir jede Menge Palmen, die im Sommer bestimmt draußen stehen, und zwei verschmitzt aussehende Pferde.

Ein Muschelfelsen!

Die Orangerie

Hello beauty!

Dann zieht die Kälte langsam wirklich ein. Platz zum Aufwärmen gibt es aber keinen: In der kleinen Kirche direkt neben dem Parkeingang ist es fast genauso kalt wie draußen und alle Lokale und Gaststätten haben zu. Mit einer Ausnahme: Ein Lokal in der Fußgänger*innenzone verkauft Punsch to go – lockdown-konform ohne Alkohol. 

Wir freuen uns richtig auf den warmen Zug. Bevor es aber Zeit für die Heimfahrt ist, spazieren wir noch zum Schloss Esterházy, um es auch von vorne zu sehen. Wie nach dem ausgedehnten Schlosspark nicht anders zu erwarten war, ist es ganz schön mächtig und mit dem Weihnachtsschmuck auch richtig romantisch. 

Krippe am Hauptplatz

Das Schloss Esterházy im Lockdown-Look

Erst einige Wochen später fällt mir ein, dass es ja gleich zwei jüdische Friedhöfe – einen älteren und einen neueren – in Eisenstadt gibt, die von dem Schloss gar nicht so weit weg sind. Tja, da wird wohl bald ein zweiter Besuch fällig – hoffentlich dann ohne Lockdown!

Bis dann, Eisenstadt!


Zum Weiterlesen:

Hier findest du alle meine Weihnachtsausflüge:

Papà, Ungarn (2016)

Baden bei Wien (2017)

Fließ bei Landeck (2018): leider hier nicht dokumentiert

Waidhofen an der Ybbs (2019)

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