Zwischen Berg und See: ein Ausflug in die Hauptstadt des Pinzgaus

von Stadtstreunerin | Eva

In Wien befindet sich der Winter bekanntlich seit einiger Zeit auf dem Rückzug – unlängst wurde ja hier sogar schon die Wandersaison im Wienerwald eröffnet. Um doch noch ein kleines bisschen vom Winter abzukriegen, blieb mir nichts anderes übrig, als ein gutes Stück in Richtung Westösterreich zu fahren. Dort hatte ich tatsächlich die Gelegenheit, ein letztes Mal für heuer einen zugefrorenen See zu bewundern! Und zwar in Zell am See, der Hauptstadt des Pinzgaus.

Im Jänner war das Eis des Zeller Sees sogar ein paar Tage lang zum Spazieren und Eislaufen freigegeben. Davon kann mittlerweile keine Rede mehr sein! Aber das Eis hält sich trotzdem hartnäckig und sorgt zusammen mit dem Schnee auf den nahen Bergen für einen ziemlich frischen Wind. 

Auf der Promenade

Die Bahnstrecke nach Zell führt direkt den See entlang. Und auch der Bahnhof selbst ist nur ein paar Schritte von der Uferpromenade entfernt. Kaum war ich aus dem Zug draußen, stand ich also quasi schon mitten im Panorama. So schön!

Auf der Sonnenterrasse

Zu einem Ausflug nach Zell am See gehört ein Abstecher ins altehrwürdige Grand Hotel. Es bildet die äußerste Spitze der Landzunge, auf der Zell gebaut ist, und dominiert das Stadtbild zum See hin. Auf der Terrasse wurde es kurzzeitig so warm, dass ich sogar im T-Shirt dasitzen konnte. Ich vergesse über den Winter immer, wie angenehm das ist!

Den See entlang

Munter vom Kaffee und der Sonne beschloss ich, dem Uferweg bis zum Ortsteil Prielau zu folgen. Die Beschaulichkeit am See wurde ab und zu durch Motorsegler gestört, die das gute Wetter nutzten und über dem Pinzgau ihre Runden zogen. Außerdem wurde das nahegelegene Krankenhaus mehrmals von einem Rettungshubschrauber angeflogen – immerhin liegt Zell inmitten mehrerer Schigebiete. Und noch ein Geräusch mischte sich in die alpine Kulisse: das mächtige Flügelschlagen fliegender Schwäne. 

Vorbei am Tretboothafen und dem Sommerfreibad ging es immer parallel zur Eislinie. Schritt für Schritt verschob sich dabei die Aussicht: Je näher ich nach Prielau kam, desto mehr rückten die markanten Berge des Steinernen Meers in mein Blickfeld. 

Rauf auf den Berg

Dann fand ich eine Abzweigung, die mich durch eine enge und dunkle Unterführung auf die andere Seite der Bundesstraße brachte. Der Weg führte am Zeller Friedhof vorbei und durch eine ruhige Wohnsiedlung. Schon nach wenigen Minuten hatte ich einen atemberaubenden Ausblick auf die Stadt und den vereisten See. Die Hänge über Zell sind so steil, dass man selbst das Gefühl hat zu fliegen! 

Von oben sieht man erst richtig, welche kunstvollen Muster das Eis bildet – von weiß und bläulich bis fast dunkelblau reichte da die Farbpalette.

In der Altstadt

Auf dem Weg in die Altstadt stand ich plötzlich mitten auf einer Schipiste, die unterhalb eines Lifts fast direkt ins Ortszentrum führte. Der Schnee war schon ganz weich und waschelte unter den Schiern der Nimmermüden. Die Stadt selbst präsentierte sich als eine einzige Sonnenterrasse: Überall, wo die ausladenden Häuser keinen Schatten machten, saßen Leute und freuten sich über die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres.

Internationales Zell

Im Sommer mischen sich seit einigen Jahren Familien aus dem arabischsprachigen Raum unter das Publikum. Die oft am ganzen Körper verhüllten Frauen sorgen für einen ungewohnten Kontrast in der alpinen Landschaft. Im Winter sind sie selbst zwar nicht da, aber ihre Sprache schon: Immer wieder finden sich arabische Aufschriften in Zell. 

Und zufällig fuhr genau dann, als ich zum Bahnhof kam, ein ganz besonderer Zug ein: der Zug von Nizza nach Moskau, der einmal in der Woche Zell am See durchkreuzt. Eine spannende Verbindung, die ich auch schon ein paar Mal genutzt habe – vorletzten Februar zum Beispiel, als ich mit meinem Vater von Wien nach Moskau und zurück gefahren bin. Tja. Einmal Eisenbahnerkind, immer Eisenbahnerkind!

Bevor mein eigener Zug losfuhr, hatte ich noch ein paar Minuten Zeit. Es zog mich natürlich zurück an den See, wo ich unter lauter Blässhühnern und Stockenten einen der seltenen Haubentaucher erspähen konnte. 

Und schon war es wieder an der Zeit weiterzuziehen. Pfiat di, Zö!

Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

*