Streunen

Rundumadum wandern: In sieben Tagen rund um Wien

gepostet von Stadtstreunerin 20. Juni 2020

Durch die Wiener Außenbezirke geht ein eigener Wanderweg: Der rundumadum-Weg führt, wie der Name schon sagt, auf gut 120 Kilometern einmal rund um Wien. Schon etliche Jahre lang steht der Weg auf meiner Wander-Wunschliste, aber ich wusste nicht so recht, wie ich es angehen sollte. Die insgesamt 24 Etappen auf mehrere Wochenenden aufteilen? Oder lieber extra eine Woche Urlaub dafür nehmen? Beides erschien mir nicht wirklich attraktiv.

Dann hat mich aber ausgerechnet das Coronavirus bei der Umsetzung unterstützt: Pandemiebedingt ist heuer Urlaub in Österreich angesagt und ein Urlaub vor der Haustüre liegt da natürlich am allernächsten. Wenn man dann noch einen Weitwanderweg gehen kann – perfekt! 2020 ist eben in jeder Hinsicht ein Ausnahmejahr.

Also marschiere ich los, direkt von zu Hause weg – immerhin führt der rundumadum-Weg fast an meinem Haus vorbei. Insgesamt werden es sieben Tage, die ich durch Wälder, Felder und Wiesen gehe, an Bächen oder Straßen entlang oder über Brücken drüber. Manchmal schleppe ich mich mit letzter Kraft dahin, die meiste Zeit aber setze ich einfach einen Schritt nach dem anderen und freue mich daran, dass ich zusehends ruhiger werde und irgendwann einfach an gar nichts mehr denke.

Da bleibt viel Zeit zum Beobachten: Ich sehe eine Wiese, die sich vor lauter Zieseln regelrecht zu bewegen scheint; einmal hoppelt ein riesiger Feldhase vor mir über den Weg. In der Lobau laden mich Schmetterlinge mit violett schimmernden Flügeln ein, ihnen zu folgen. Ich bewundere die vielen roten Mohnblüten in den Feldern, spaziere durch die Weingärten und passiere unzählige Teiche. Einmal entdecke ich zu meinem großen Schrecken eine Schlange auf einem Ast direkt über mir! Manchmal ist die Wiener Wildnis tatsächlich ziemlich wild…

Aber der Weg führt nicht nur durch den naturbelassenen Grüngürtel von Wien, sondern auch durch viele Siedlungen und ehemalige Dörfer: Von Rodaun über Kaiserebersdorf, Essling, Süßenbrunn und Stammersdorf sehe ich alte Ortskerne ebenso wie mehr oder weniger gelungene moderne Wohnsiedlungen. Das Leben spielt sich in Wien eben nicht nur in den inneren Bezirken ab, und hier gibt es abseits von Fiakern und Kaffeehäusern definitiv einiges zu entdecken. Am Ende der sieben Tage weiß ich den Wiener Stadtrand jedenfalls noch mehr zu schätzen als bisher!


Sieben Tage rund um Wien in Bildern

(Keine Sorge, es sind keine Bilder von Schlangen dabei!)

Informationen zum rundumadum-Weg findet ihr nach den Fotos.

Eines der ältesten sakralen Gebäude von Wien: die Nikolaikapelle

Kolossale Bausünden in Liesing

Gstättn beim Liesingbach

Leider nicht zugänglich: der Steinsee bei Alt Erlaa

Pausenbankerl am Ufer des Wienerbergteichs

Die Sackgasse am Ende der Stadt

Ein Bett im Mohnfeld, das wär’s!

Simmering wie anno dazumal

Am Zentralfriedhof

Fische auf einem Spielplatz in Kaiserebersdorf

Dunkle Wolken drängen nach Wien

Glücksbringer an der Bushaltestelle

Violetter Dingel in der Lobau

Industrie und Natur (fast) im Einklang an der Panozzalacke

Wenig Wasser im Großenzersdorfer Arm

Alles bereit für die Kirschenernte!

Paradies mit Baustelle: der See in der Seestadt

Lila, soweit das Auge reicht: Aspern Nord

Fast wie in Italien!

Baden mit Babyelefant: der Badeteich in Süßenbrunn

Bestes Mittagessen!

Das Mordor von Wien 😉

Vogelrettung in Stammersdorf

Hier reift der Wiener Wein heran

Gelungene Neubauten in Strebersdorf

Ausblick vom Nasenweg

„Covid 19“

Baumriesen am Hameau

Auf zur letzten Etappe!


Allgemeine Informationen

Alle Informationen zum rundumadum-Weg gibt es hier auf der Seite der Stadt Wien.

Einmal rund um Wien, bitte!

Offiziell beginnt der Weg in Nussdorf und führt gegen den Uhrzeigersinn rund um Wien – auf 123,1 Kilometern in insgesamt 24 Etappen. Start und Ziel der Etappen sind zumeist öffentlich erreichbar. Die einzelnen Etappen sind relativ kurz und wahrscheinlich auch mit Kindern gut zu bewältigen (Etappe 1 hat mit dem Nasenweg allerdings einen sehr steilen Abschnitt, der definitiv nicht barrierefrei ist). Im Lainzer Tiergarten, im Laaer Wald, am Zentralfriedhof und auf den Steinhofgründen sind Hunde nicht erlaubt, es gibt aber jeweils eine Alternativroute.

Kleiner Anreiz: Wer sich fünf Stempel holt, bekommt die rundumadum-Wandernadel! Den Wanderpass dazu könnt ihr hier herunterladen.

Der Wanderweg ist zwar insgesamt gut ausgeschildert, aber dennoch fehlen immer wieder Wegweiser. Infotafeln gibt es keine, der Online-Wanderplan ist nur mäßig brauchbar. Es kann also nicht schaden, die Pläne der Etappen auszudrucken und mitzunehmen!


Meine rundumadum-Route

Ich kann meine Aufteilung der 24 Etappen sehr empfehlen (abgesehen davon, dass der letzte Tag deutlich länger ist als die anderen Tage). Die drei Waldetappen sind gut verteilt, die restlichen Etappen sind sinnvoll strukturiert.

Tag 1: Lainzer Tiergarten (Wald)
Etappen 6 & 7 – 17,6 Kilometer
Bahnhof Hütteldorf – Lainzer Tor – Breitenfurter Straße/Liesingbrücke

Tag 2: Der Süden von Wien
Etappen 8, 9 & 10 – 15 Kilometer

Breitenfurter Straße/Liesingbrücke – Alt Erlaa – Wiener Berg – Laaer Berg

Tag 3: Zentralfriedhof & Donauinsel
Etappen 11, 12 & 13 – 13,1 Kilometer
Laaer Berg – Zentralfriedhof – Neu Albern – Waldschule Lobau

Tag 4: Durch die Lobau (Wald)
Etappen 14, 15, 16 & 17 – 16,6 Kilometer
Waldschule Lobau – Panozzalacke – Nationalparkcamp – Esslinger Furt – Himmelteich

Tag 5: Von der Seestadt nach Stammersdorf
Etappen 18, 19, 20 & 21 – 17,7 Kilometer
Himmelteich – Breitenleer Straße – Wagramer Straße – Gerasdorf – Brünner Straße

Tag 6: Am Bisamberg
Etappen 22, 23 & 24 – 17,8 Kilometer

Brünner Straße – Steinernes Kreuz – Strebersdorf – Nussdorf

Tag 7: Quer durch den Wienerwald (Wald)
Etappen 1, 2, 3, 4 & 5 – 25,3 Kilometer

Nussdorf – Cobenzl – Häuserl am Roan – Marswiese – Feuerwache Steinhof – Bahnhof Hütteldorf


Tipps

Besonders interessant war für mich der Norden von Wien. Als Stadtstreunerin bin ich zwar schon viel herumgekommen, aber Essling, Süßenbrunn & Co. waren definitiv Neuland für mich. Die Strecke über den Bisamberg und die Kellergasse in Stammersdorf haben mir besonders gut gefallen, die Steinhofgründe sind traumhaft schön und auch die Lobau ist immer einen Besuch wert (besonders jetzt, wo nur wenige Flugzeuge darüberfliegen). Auch beim Pappelteich mit seiner vielfältigen Tierwelt (Libellen! Wasserschnecken! Molche! Kaulquappen!) werde ich sicher wieder mal vorbeischauen.

Recht laut habe ich die Strecke von Nussdorf durch den Wienerwald gefunden, da oft eine Straße in der Nähe ist; am unangenehmsten war der Weg zwischen Marswiese und Schottenhof (schlammig und direkt neben der Straße!). Auch die Etappe 10 in Favoriten (zwischen Wienerberg und Laaer Wald) ist durch die vielen stark befahrenen Straßen sehr laut.


Verpflegung

Es gibt zwar einige Gasthäuser am Weg, aber ob die genau dann auftauchen, wenn man gerade hungrig ist, ist fraglich. Supermärkte und Bäckereien sind auch äußerst rar gesät. Also vorsichtshalber genug Proviant mitnehmen! Trinkbrunnen gibt es immer wieder, aber seltener, als ich gedacht hätte.

Was ich empfehlen kann: das Rohrhaus im Lainzer Tiergarten, die Konditorei Oberlaa am Zentralfriedhof, das Gasthaus Roter Hiasl in der Lobau (selbst gebrautes Bier!), den Magdalenenhof am Bisamberg und das Gasthaus Häuserl am Roan im Wienerwald.


Schwimmen 

Entlang des Weges gibt es viele Möglichkeiten, sich im mehr oder weniger frischen Wasser abzukühlen: Im Liesingbach und im Marchfeldkanal kann man die Beine ins Wasser halten und ein bisschen herumpritscheln. Ich war außerdem im Wienerbergteich, in der Neuen Donau, im Donau-Oder-Kanal, im See der Seestadt und im Badeteich Süßenbrunn im Wasser (und es war herrlich!). Daneben laden noch die Dechant- und die Panozzalacke, der Badeteich Gerasdorf und die Donau zum Baden ein, außerdem etliche Schotterteiche im Süden und Norden von Wien, die aber meist nicht öffentlich zugänglich sind.


Der Soundtrack zum Weg

In den sieben Tagen hatte ich immer wieder die gleichen Songs im Kopf. Einfach anhören und mitnehmen!

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2 Kommentare

Andreas Moser 28. Juli 2020 at 16:11

Was, jetzt sind die Schlangen sogar schon im Baum und lassen sich von oben herab?? :O

Ich gehe den Weg dann doch besser im Winter.

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Stadtstreunerin 28. Juli 2020 at 16:14

Damit bist du auf der sicheren Seite – aber die Lawinen am Kahlenberg sollen auch nicht ohne sein 😉

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