Zwischen Linz und Wien befindet sich ein wahres Kleinod an der Donau: Grein liegt malerisch an einer Donauschleife und wartet nicht nur mit sagenumwobener Landschaft, sondern auch ganz schön viel Kunst und Kultur auf uns. Der ideale Ort für ein feines Stadtstreunen-Wochenende!
Von Wien aus fahren Helmut und ich mit dem Zug nach St. Valentin und dann weiter mit der Donauuferbahn bis Grein. Die Strecke quert bei Mauthausen die Donau, führt durch das landschaftlich wenig reizvolle Machland und verläuft ab Dornach parallel zum Donauufer. Der Fluss stellt bei Grein zwar eine lokale politische Grenze dar – diesseits das oberösterreichische Mühlviertel, jenseits das niederösterreichische Mostviertel -, verbindet aber trotzdem die beiden Regionen mit halb Europa: Wie ein grünblau schimmerndes Band durchfließt oder berührt der Fluss insgesamt zehn Länder – Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Moldawien und die Ukraine.
In Grein hat die Donau seit ihrer Quelle in Deutschland rund 800 Kilometer hinter sich, etwas mehr als 2.000 werden bis zur Mündung ins Schwarze Meer noch folgen. Die Länge der Donau wird lustigerweise von der Mündung aus gezählt, d.h. wir befinden uns bei Flusskilometer 2.079.
Die gefürchteten Wirbel der Donau
Vom Bahnhof aus sind es nur wenige Schritte ins Zentrum der kleinen Gemeinde, das mit einem von ausgesprochen hübschen Gebäuden umringten Hauptplatz punktet. Von hier aus sind es wieder nur wenige Schritte, bis wir an der Donau stehen! Der Fluss bringt den Duft der weiten Welt nach Grein: Es riecht nach Wasser, Algen, Enten und saftigen Wiesen, ab und zu aber auch nach Treibstoff, wenn wieder ein langgezogenes Schiff die Donau hinauftuckert. Was heute so beschaulich wirkt, war über Jahrhunderte der Beginn des gefürchtetsten Abschnittes der gesamten Donaulänge. Hier beginnt der 25 Kilometer lange Strudengau, benannt nach dem nahen Dorf Struden, der lautmalerisch die Schwierigkeiten andeutet, die den Donaukapitänen seinerzeit Schweißtropfen auf die Stirn trieb. Strudel, Wirbel und Untiefen machten das Befahren dieses Teils der Donau zu einem hochriskanten Manöver.
Erst das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug, das in den 1950er Jahren gebaut wurde (seinerzeit ein wichtiges Symbol für den Wiederaufbau in den Nachkriegsjahren), hat die Donau aufgestaut und dem Wasser den Schrecken genommen. Heute erinnert das Wappen von Grein an die früheren Schwierigkeiten: Es besteht aus drei Figuren auf einem Boot, von denen zwei verzweifelt versuchen, ihre Fracht unfallfrei durch die Wirbel zu bringen, während die dritte den Weg weist. Letztere trägt ein Kasperlkostüm, um die Stimmung an Bord aufzulockern. Ob das wohl immer gelungen ist?
Das Schloss Greinburg
War die Donau früher für zahlreiche tödliche Unfälle verantwortlich, so hat sie den Menschen in Grein auch großen Reichtum beschert. Sie, die jeden Stein und jede Sandbank in der Donau kannten, profitierten immens von dem regen Warentransport vor ihrer Haustüre – davon zeugt heute noch das Greiner Marktbuch aus dem Jahr 1489 mit einer Aufzählung aller Privilegien der Greiner Bürgerschaft. So ist es zu erklären, dass der kleine Ort von prächtigen Bürger- und Bauernhäusern nur so strotzt und als Krönung ein echtes Schloss besitzt. Das Schloss Greinburg (das tatsächlich gleichzeitig ein Schloss und eine Burg ist) wird heute noch von Mitgliedern der Familie Sachsen-Coburg und Gotha bewohnt, kann aber trotzdem besichtigt werden.
Besonders sehenswert: der vollständig mit Donaukieseln ausgelegte Saal mit angeschlossener Grotte im Erdgeschoss. Die mediterrane Mosaikkunst, regional umgesetzt – wir staunen nicht schlecht! Gleich nebenan befindet sich ein kleiner Raum mit einem gewaltigen, diamantförmigen Gewölbe. Und als ob das noch nicht genug wäre, lädt ein paar Meter weiter oben ein fantastischer Festsaal zum Tanzen ein. Wer hier heiraten will, sollte aber rund 300 Personen einladen – sonst wirkt der Saal schnell zu groß und zu hoch. Die heutigen Bewohner:innen leben deswegen auch nicht hier, sondern im Wirtschaftsteil. Nur gelegentlich ziehen sie sich zum Entspannen in die noblen Räumlichkeiten des Schlosses zurück, die zu diesem Zweck mit erstaunlich profanen Sofas ausgestattet wurden.
Von Steinen und Planeten
Auch wenn Grein direkt am Donauradweg liegt, bietet sich die Region nicht nur zum Radfahren an, sondern auch zum Spazieren und Wandern. Direkt im Ort lädt der Planetenweg des Physikers Werner Riegler zum Erkunden der (sehr viel) weiteren Umgebung ein. Der gebürtige Greiner, der seit Jahrzehnten am CERN in der Schweiz arbeitet, hat festgestellt, dass unser Sonnensystem bei einem Maßstab von 1:2,8 Milliarden genau in die Greiner Bucht passt. Das kann kein Zufall sein! So können wir insgesamt 1,6 Kilometer von Sonne bis Neptun wandern – unterhalten von launigen Beschreibungen und Wissen rund um Erde & Co. Über den Mars heißt es beispielsweise:
Olympus Mons, ein gigantischer Vulkan vom Durchmesser Österreichs, ist mit 26.000 Meter Höhe der größte Berg auf dem Mars und im gesamten Sonnensystem. Für eine Sonntagswanderung ist deshalb z.B. der Gobel, der Berg mit Aussichtswarte zu Ihrer Linken, vorzuziehen.
Von Grein aus lassen sich auch Gesteinsformationen anderer Art erkunden: Die Stillensteinklamm ist nur eine Wanderung durch idyllische Buchenwälder entfernt. Aber nicht die Ruhe in der Klamm hat ihr diesen Namen gegeben, sondern ein wuchtiger Stein, der den Gießenbach vorübergehend versickern lässt, bevor er als kleiner Wasserfall wieder hervorspringt. Über den steilen Jägersteig gelangen wir nach St. Nikola-Struden, wo uns die Donauuferbahn wieder zurück nach Grein bringt. Abends wollen schließlich noch die kulturellen Angebote genutzt werden! Wir können uns zwischen einem Live-Konzert und einem Kinobesuch entscheiden. Und so wird uns das Wochenende fast zu kurz…
Baba, Grein, bis bald!
Tipps & Tricks
Reisezeit: Viele Attraktionen in Grein öffnen erst in der Hauptsaison von Mai bis September ihre Pforten. Bei unserem Besuch Mitte April hatten Glück, dass kurzfristig eine Führung durch das Schloss Greinburg organisiert wurde.
Kultur: Grein verfügt über ein kleines Stadtkino mit anspruchsvollem Programm. Der Leiter engagiert sich sehr, um die cineastische Kultur im ländlichen Raum aufrecht zu erhalten. Eine weitere Besonderheit ist das historische Stadttheater, das älteste erhaltene bürgerliche Theater Österreichs. (Im April war es leider noch nicht offen.) Das Kollektiv Stadt Land Fluss Grein setzt zahlreiche kulturelle und soziale Initiativen um.
Kulinarik: Die Kaffeesiederei Blumensträußl am Hauptplatz, kurz Kablu, ist wegen ihrer originalen Biedermeier-Einrichtung und dem liebevoll gestalteten Maskottchen unbedingt sehenswert. Ebenfalls am Hauptplatz befindet sich das „KuliNAHrium“, ein Laden mit regionalen Produkten und Handwerk.
















