Mit der Waldviertelbahn nach Groß Gerungs

von Stadtstreunerin | Eva

Ein unverplantes Wochenende im Mai ist eine seltene Kostbarkeit, die danach verlangt, sogleich verplant zu werden: am besten mit einem Ausflug ins Grüne. Helmut und ich entscheiden uns nach kurzer Diskussion – Zug oder Therme? Beides! – für ein Wochenende im nordwestlich von Wien gelegenen Waldviertel, wo es garantiert sehr grün ist: Der Name kommt schließlich nicht von ungefähr.  

Ein Doppelstockzug bringt uns innerhalb von gut zwei Stunden nach Gmünd, einen Steinwurf von der tschechischen Grenze entfernt. Anfangs ist der Zug noch voller Wiener:innen, die der Stadt entfliehen möchten, doch nach und nach wird es stiller. Dort, wo wir hinfahren, ist aus Wiener Sicht schon ein Außenposten der Zivilisation: Landflucht schön und gut, aber die Bezugsmetropole sollte doch noch in Reichweite sein! Groß Gerungs, unser heutiges Ziel, ist eine Kleinstadt mit etwa 4.500 Einwohner:innen, die sich inmitten einer idyllischen Landschaft mit nordischen Akzenten befindet und uns auf der Landkarte nicht weiter auffallen würde, wenn nicht…

Ja, wenn nicht eine besondere Eisenbahn dorthin fahren würde! In Gmünd steigen wir in die Waldviertelbahn um, die auf schmaler Spur die Region bis Groß Gerungs durchkreuzt. 

Unterwegs mit der Waldviertelbahn 

Der Regelbetrieb dieser Bahnstrecke wurde leider schon lange eingestellt. Seit 2001 fährt die Bahn nur noch zu touristischen Zwecken – also zu unseren – und bietet eine fantastisch schöne Fahrt: Die Strecke schlängelt sich durch blühende Wiesen und Wälder, führt am Schloss Weitra vorbei und erklimmt eine Hochebene, die als Waldviertler Semmering bekannt ist. Während die historische Diesellok alles gibt, lehnen wir uns im „Jausenwagerl“ zurück und genießen Waldviertler Mohnzelten zum Kaffee. 

Als wir eineinhalb Stunden später in Groß Gerungs einrollen, fühlt es sich schon ein wenig nach Sommerfrische an. Passend zur guten Luft und der schönen Natur ist das Herz-Kreislauf-Zentrum eines der größten Gebäude der Stadt. Im weitaus bescheideneren Gasthaus Hirsch mitten am Hauptplatz finden wir eine Herberge für die Nacht. Der Besitzer Petr, ein gebürtiger Tscheche, ist stolz auf sein Haus, das sich gerade mitten im Umbau befindet. Nie würde er in die Stadt ziehen wollen, meint er: Hier kann er sich ein gutes Leben leisten und seine Hunde herumtoben lassen. Im Ort kennen ihn alle – etwas, das viele Wiener:innen allerdings eher als Nachteil empfinden würden… 

Das bodenständige Gasthaus bietet mehr, als auf den ersten Blick erscheint. Im hinteren Teil befindet sich ein großer Saal, der nicht nur für Bälle und Hochzeiten geeignet ist. Hier wurde auch vor rund hundert Jahren das erste Kino der Stadt eröffnet. Da die goldenen Zeiten des Kinos längst vorbei sind, bleibt uns nur die Stille der Nacht. Eine sehr dünne Mondsichel leistet uns Gesellschaft.

Allerlei Anwandlungen

Um nicht nur Ruhesuchende und Eisenbahnfans in die Waldviertler Wälder zu locken, hat sich die örtliche Tourismus-Behörde etwas ausgedacht: die „Kraftarena“ von Groß Gerungs. Die Naturschönheiten der Gegend werden als magisch aufgeladene Orte vermarktet. Riesige Wackelsteine, rätselhafte Steinpyramiden, sie alle befinden sich auf geomantischen Linien oder rechtsdrehenden Wasseradern. Der wissenschaftliche Nachweis dürfte schwer zu erbringen sein, deswegen beschränkt sich das Ganze auch auf ein paar vage Andeutungen. Der Natur lässt sich andererseits ein gewisser Zauber nicht absprechen, dem auch wir erliegen, als wir durch die Gegend rund um Groß Gerungs streifen und die Füße in die kühle Zwettl halten.

Am nächsten Tag wartet dann warmes Wasser auf uns: In der Therme Gmünd, die sich in Gehweite vom Bahnhof befindet, planschen wir eine Weile bei etwa 35 Grad Wassertemperatur und verlegen uns dann in die Sauna. Dort wird während des Aufgusses Schmäh geführt, dass sich die Balken biegen: Die sexistischen Witze des Saunameisters lassen jede Gürtellinie alt aussehen. Wie gut, dass es am Thermengelände auch einen großen Naturteich gibt, in dessen erfrischend kühlen Wellen alles abgelegt werden kann… bis nur noch Erholung und Entspannung überbleiben. Wäre da nur nicht der Zug zurück nach Wien!

Baba, Waldviertel, bis bald!


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Waldviertelbahn: Die Fahrt mit der bezaubernden Schmalspurbahn ist in der Niederösterreich-Card inkludiert. Die Radmitnahme ist kostenlos möglich. Es gibt auch Dampfzüge! https://www.waldviertelbahn.at/

Therme Gmünd: Die Sole Felsen Welt in Gmünd hat mir sehr gut gefallen. Das nächste Mal bringe ich aber Ohrstöpsel für die Sauna mit 🙂 https://www.solefelsenwelt.at/de/

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