GeschichteStreunen

Staub und Paprikapulver – eine Baustelle mit scharf

gepostet von Stadtstreunerin 29. September 2018

Dieser Artikel entstand vor ziemlich genau zwei Jahren, wurde aber nie veröffentlicht. Das möchte ich jetzt nachholen. Was wohl seitdem aus der Baulücke geworden ist?


Letztens (also irgendwann im September 2016) machte ich mich auf die Suche nach einer Baustelle. Nach einer Baustelle? Ja! Aber nach einer speziellen…

Am Alsergrund, wo die Nußdorfer Straße in den Gürtel mündet, wurde das ehemalige Finanzamt abgerissen. Auf dem relativ großen Gelände sollen jetzt neue Wohnungen entstehen.

Baustelle Kotányi 1

Baulücke am Alsergrund

Und das Besondere daran? Durch den Abriss wurde auf der Mauer eines benachbarten Hauses eine alte Produktwerbung vom Gewürzhersteller Kotányi aus den 1950er-Jahren freigelegt. Das Bild einer Frau mit Schürze und Kopftuch, die mit fröhlichem Lachen Gewürze empfiehlt, wirkt heute wie ein Fall fürs Museum. Eine Aufschrift darunter mahnt dazu, die Originalpackungen zu kaufen – um ja nicht die aufgedruckten Kochrezepte zu verpassen (um Himmels willen!). 

Paprikapulver, anyone?

Hier ist eine Ansicht aus dem Jahr 1974 zu sehen, in der die Werbung inmitten trister Hausfassaden regelrecht ins Auge sticht. Was damals gutes Marketing war, ist heute ein Stück Stadtarchäologie zum Anschauen!

Schicht für Schicht

Aber wer steckt eigentlich hinter dem Baulückenbild? „Die Presse“ hat sich auf die Suche nach dem Urheber gemacht und ist auf den Wiener Kunstmaler und Graphiker August Schmid gestoßen, der vor allem in der Nachkriegszeit zahlreiche Plakatdesigns für die Fremdenverkehrswerbung und verschiedenste Produkte entwarf. In einer Fotogalerie sind etliche seiner Plakate zu sehen – Achtung, hoher Nostalgiefaktor!

Die fröhliche Gewürzfrau mag mittlerweile wieder aus dem Stadtbild verschwunden sein – aber sie lebt in anderer Form weiter. Die Initiative Ghostletters Vienna hat sie auf ihrem Buchcover verewigt – und das ist doch auch ein guter Ort, um Paprikapulver anzupreisen, oder?


Zum Weiterlesen:

Koch, Tom (2017): Ghostletters Vienna. Spuren urbaner Identiät – Traces of Urban Identity. Mit Fotos von Daniel Gerersdorfer und Stephan Doleschal. Wien: Falter Verlag

Weitere Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

*