Streunen

Weihnachtsausflug nach Baden

gepostet von Stadtstreunerin 13. Februar 2018

Weihnachtliche Traditionen werden bei uns in der Familie hochgehalten – insbesondere die selbst erfundenen Traditionen. Und so wurde es auch heuer am 26. Dezember wieder Zeit für den jährlichen Weihnachtsausflug! Verschlug es uns letztes Jahr noch in die barocke Kleinstadt Pápa in Ungarn, steckten wir uns heuer ein bescheideneres Ziel: den Kurort Baden bei Wien. Aber von wegen bescheiden: Wann waren wir denn zuletzt in Baden? – Eben!

Mit der Badner Bahn nach Baden

Für meinen Vater und mich war klar: Wenn schon Baden, dann mit standesgemäßer Anfahrt. Tja. Das bedeutete wohl eine einstündige Fahrt mit der Badner Bahn! Wir stiegen am Karlsplatz in Wien ein und gondelten gemütlich durch die zersiedelte Landschaft des Wiener Beckens bis zur Endstation. 

Angekommen

Baden, Stadt der Künste

In Baden ließen wir uns von der eisigen Kälte, die von dem zähen Hochnebel ausging, auf raschen Schritten durch die Altstadt treiben. Wir besichtigten die barocke Pestsäule, die der Jahreszeit entsprechend von geschmückten Tannen umrundet war. Die herausgeputzten Häuschen aus der Biedermeier-Zeit wirkten unglaublich gemütlich und einladend. Um die Ecke fanden wir das Beethovenhaus, in dem der berühmte Komponist einige Sommer lang bei seinen Kuraufenthalten wohnte. Hier entstanden wesentliche Teile der Neunten Symphonie, die heute durch die Europahymne weltweit bekannt ist. Danach gingen wir am Stadttheater  vorbei und betraten dann die mächtige Pfarrkirche St. Stephan, auf deren Orgel schon Mozart gespielt hat.  Auch das beeindruckende Jugendstiltheater im Kurpark bewunderten wir, bevor uns die Kälte von einem Besuch des altehrwürdigen Café Central überzeugte.

Weihnachtssäule

Alternative Krippe

Das Stadttheater

Das Kurparktheater

Auf in den Nebel

Im Kaffeehaus gab es Wärme und heißen Apfelsaft und den „Badner Schokotraum“. Draußen allerdings gab es noch einiges zu erkunden. Insbesondere die Weingärten rund um Baden riefen nach mir, doch ich fand zunächst nur den nebelverhangenen Föhrenwald gleich hinter dem Kurpark. Schritt für Schritt wagte ich mich ganz alleine durch den undurchdringlichen, düsteren Wald. Der Blick zurück auf die Badner Altstadt war nicht unbedingt ein Trost, sah man doch kaum bis zum Kirchturm. Und kein einziger Weinstock war zu sehen!

Auf in den Wald!

„Panoramablick“

Im Kurparkwald

Einsamer Pavillon

Geschichten von Föhren und Fledermäusen

Nach einiger Zeit überquerte ich eine Rodelbahn, die mangels auch nur einer einzigen Schneeflocke etwas traurig wirkte. Dann sah ich am Wegesrand eine Föhre, deren Rinde weggeschabt und deren Stamm aufgeschlitzt war. Eine Infotafel erklärte mir, dass hier früher das traditionelle Handwerk der Pecherei ausgeübt wurde – das Gewinnen von hochwertigem Baumharz aus den Stämmen der Schwarzföhren.

Föhrenweg

Nachdem ich in einer Senke eine Straße überquert hatte, ging es wieder steil bergauf. Schon bald war ich bei der Einödhöhle angekommen, einer Höhle oberhalb von Pfaffstätten, deren Ursprung Millionen von Jahren zurückgeht. Über Jahrhunderte diente die Höhle als Schutz in schwierigen Zeiten, aber auch als beliebtes Versteck für Diebesgut. Ich ging ein paar Meter hinein, machte aber aus Respekt vor den dort überwinternden Fledermäusen bald kehrt. 

Die Einödhöhle

Fledermausplatz

Der Zauber der Weingärten

Am Rückweg folgte ich einer langen Straße, die mich unvermutet mitten in die Weingärten von Baden brachte. Da waren sie! Hoch über dem dichten Nebel ging gerade die Sonne unter und tauchte die Szenerie in ein eigenartiges, violettes Licht. Soll noch jemand sagen, dass so ein Nebeltag eintönig wäre!

Im violetten Nebel

Den Hang entlang

Nach einiger Zeit, in der ich mich an sehr vielen Hunden vorbeidrücken musste, machte der Weg einen Bogen nach rechts und plötzlich sah ich Baden vor mir liegen. Mittlerweile war die Sonne untergegangen und der Nebelhimmel ging immer mehr in die Nacht über. 

Blick auf Baden

In mir wurde nun die Sehnsucht nach einem warmen, hellen Innenraum immer größer. Es war langsam wirklich an der Zeit, um mich zum Bahnhof aufzumachen und den nächsten Zug zurück nach Wien zu nehmen!


Wanderfazit

Weg: Baden Stadtzentrum > Theresiengasse > Kurpark > Beethovenweg > Einöde > Kleines Kehrtal > Einödhöhle > Einöde > Wiener Wasserleitungsweg > Weingärten > Callianogasse > Trostgasse > Boldrinigasse > Palffygasse > Bahnhof Baden 

Strecke: 6,3 Kilometer

Zeit: 1 Stunde und 20 Minuten (reine Gehzeit)

Urteil: Durch den Nebel in das Leben!


Zum Nachhören

Beethovens Neunte Symphonie, zum Teil in Baden entstanden

Mozarts Ave Verum, in Baden uraufgeführt

Weitere Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

*