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Am Sonnenhang des Lebens – die Rauriser Literaturtage 2018

gepostet von Stadtstreunerin 9. April 2018

In heimeligen Gasthäusern sitzen, bei Lesungen und Gesprächen zuhören und ab und zu einen Blick auf die schneebedeckten Gipfel draußen werfen – das ist Rauris! Also, genau genommen: Das sind die Rauriser Literaturtage, die seit 1971 in dem Salzburger Dorf stattfinden. Natürlich kann man sich fragen: Hirschgeweihe, ausgestopfte Murmeltiere, Herrgottswinkel, laut muhende Kuhställe – wie passt das zur Literatur? Nun, auf rätselhafte, wunderschöne Weise bilden Literatur und Natur in Rauris keinen Gegensatz. Sie fließen in diesen Tagen ineinander und bilden eine Quelle, aus der unablässig Inspiration sprudelt.

Längst ist Rauris für mich so etwas wie der eigentliche Jahresbeginn geworden, an jenen kostbaren Tagen zwischen Winter und Frühling. Dieses Zuhören und Innehalten bei den Lesungen, dieses Diskutieren und Nachdenken über Literatur – es erweist sich seit vielen Jahren als Wegweiser für das eigene Leben: Wo stehe ich, wohin möchte ich gehen, wie bewege ich mich – und natürlich: Werde ich je in der Lage sein, selbst einen so gelungenen Text zu schreiben, wie wir ihn eben vorgelesen bekommen haben?

Fragen wie diese werden am liebsten unter freiem Himmel besprochen – und davon hat Rauris einen ausgesprochen schönen Ausschnitt abbekommen. Dementsprechend stehen die Literaturtage nicht allein im Zeichen von Lesungen und Gesprächen – nein, eine ausgiebige Entdeckungsrunde im Raurisertal gehört da natürlich unbedingt dazu!

Zum Talschluss hin zeigt sich die Gegend von ihrer wilden Seite, zeigt Lawinenkegel und eine erdrückte Gams, die auf grausame Weise die Vergänglichkeit des Lebens verdeutlicht. Über Rauris hingegen lädt der Sonnenhang zum Herumstreunen und Träumen – hier kann man sich auf so mancher Bank in der ersten Reihe eines spektakulären Freiluftkinos wähnen, kann Gletscher aus sicherer Ferne betrachten, sich auf die Suche nach Glitzersteinen begeben und Himmelschlüssel bewundern. 

Am Rückweg dann sagt die Freundin: „Ich habe gerade so viele Ideen: Da ist dieses Kinderbuch, das ich illustrieren möchte, und dann ein Kunstprojekt mit Zitronen! Nächste Woche fange ich endlich meine Diplomarbeit an und außerdem wäre da noch dieser Zeichenkurs.“ Und ich sage zu ihr: „Jetzt bist du wirklich hier gelandet… Willkommen in Rauris!“

Rund um Rauris

Eine Fotostrecke zeigt, was ich meine. 

Wünsche müssen gut klingen. (Karin Peschka)

Regen auf die Ungeborenen, die Geister und Gespenster. (Mirko Bonné)

Die Schwalben sind da! Manchmal verändert so etwas alles. (Paulus Hochgatterer)

Der Schnee ist tot. (Margret Kreidl)

Sie war mondsüchtig. Später nagelte man im Haus die Fensterbalken zu. (Felix Mitterer)

Wir haben Klee und Pilze über dem Feuer gebraten und im Wald gegessen. (Julia Weber)

Dann liegt etwas in der Luft / etwas winterlang Ersehntes. (Elisabeth Steinkellner)

Er muss ein bisschen streunen und seine Erfahrungen machen, sagt mein Vater. (Peter Henisch)

Ich glaube, dass wir alle diese magischen Nischen bewahren. (Mirko Bonné)

Was wir nicht haben können, das sehnen wir uns herbei. (Monika Helfer)

Ich bin auf der Seite der Utopie. (Margret Kreidl)

Es gibt so Tage, da haben alle bunte Schatten. (Heinz Janisch)

Ich mag es, wenn Dinge auftauchen. (Paulus Hochgatterer)

Jeder setzt das fort in seiner Fantasie. (Karin Peschka)

Die Bildunterschriften stammen aus meinem Notizbuch – es handelt sich um Zitate aus den Texten und Gesprächen der jeweiligen Autor*innen, vielfach leicht abgewandelt.


Zum Weiterlesen

Alle Informationen rund um die Rauriser Literaturtage gibt es hier

Meine langjährige Raurisbegleiterin Judith hat vor zwei Jahren einen ähnlich begeisterten Text über die Literaturtage geschrieben: „Rauris – ein modernes Märchen“.

Und Heinz Janisch hat im Gespräch einen ganz besonderen Satz gesagt, der uns allen Zuversicht geben kann – zumindest, bis 2019 die nächsten Literaturtage in Rauris stattfinden:

Ich glaube ja an die Bücher, sowieso, als wunderbares Geschenk.

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