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Zwischen Sommer und Herbst: Badeausflug nach Greifenstein

gepostet von Stadtstreunerin 17. September 2016

Ein Freitagnachmittag Anfang September. Es ist diese Zeit im Jahr, wo sich der Herbst schon allabendlich mit besonders weichem Licht ankündigt, wo es in den Nächten kühler wird und ich mir die Frage stelle: Wo ist eigentlich der Sommer hin? Ich tröste mich damit, dass das Gefühl, der Sommer sei in ein paar wenigen Augenblicken vergangen, definitiv für den Sommer spricht. Aber vorbei ist vorbei – oder?

R. und ich wollten es noch einmal wissen: Wir trafen uns mitsamt unseren Rädern am Handelskai und mussten gleich mal die Lage besprechen. Am Regenradar konnten wir nämlich sehen, wie demnächst eine breite Regenfront quer über Wien ziehen würde. Wir beschlossen trotzig, dem Regen entgegenzufahren und ihn so schnell wie möglich zu durchqueren. Kaum waren wir ein paar hundert Meter gefahren, fielen tatsächlich schon die ersten Tropfen und bei Nußdorf waren wir bereits ziemlich nass. Mit unseren unterschiedlichen Strategien, dem Regen zu begegnen, gaben wir bestimmt ein lustiges Bild ab: ich voll eingepackt in meine Regenjacke, er oben ohne.

Blutweiderich im Regen

Blutweiderich im Regen

Schon vor Klosterneuburg wurde es aber wieder heller. Dem seit Juni 2016 dauerhaft geschlossenen Museum Essl warfen wir einen traurigen Blick zu und spähten gleich danach hinüber zu dem beeindruckenden Stift KlosterneuburgWeiter ging es durch Siedlungen voller bescheidener Häuschen; statt wie vorher direkt neben der Donau fuhren wir nun einen kleinen Kanal entlang.

Badeplatz mit Burgblick

Für das Strombad Kritzendorf waren wir nicht mutig genug – der reißende Hauptstrom der Donau ist sogar im Hochsommer eiskalt. Am Donaualtarm bei Greifenstein fanden wir dann aber den perfekten Badeplatz. 

Mit Blick auf die trotz ihrer geringen Größe mächtig wirkende Burg Greifenstein hielten wir die Füße ins Wasser. Die Wassertemperatur fühlte sich beinahe so warm an wie die Außentemperatur, und es war herrlich, fast ganz alleine herumzuplantschen. Nur ab und zu zog ein Kanufahrer vorbei. Noch immer lag ein leichter Nebel über der Landschaft und sorgte für eine melancholisch-schöne Stimmung. 

Segelboot Greifenstein

Blick zur Burg Greifenstein

Die Burg Greifenstein ist derzeit leider nicht offen für Besichtigungen, also mussten wir uns damit zufrieden geben, sie aus der Entfernung zu bewundern. Immerhin wurde sie vor ziemlich genau 1000 Jahren erbaut; die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1135 zurück. Der Bergfried und der Kern der Burg haben ihr hochmittelalterliches Aussehen bis heute bewahrt, während andere Teile der Burg im Lauf der Jahrhunderte immer wieder um- und dazugebaut wurden. Die Anlage, die mich immer ein bisschen an einen Bunker erinnert, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Ursprünglich war sie ein Teil des Verteidigungssystems der Donau vor den Toren Wiens, wo mittels Feuersignalen bis zum Wiener Leopoldsberg vor Gefahren gewarnt werden konnte. Ihr Turmverlies diente später als Gefängnis des kirchlichen Gerichts, bis die Burg gegen Ende des 18. Jahrhunderts aufgegeben wurde und verfiel. Spätere Besitzer renovierten sie mehrmals und richteten ein kleines Museum und ein Restaurant ein. Seit einem Großbrand vor zehn Jahren ist der Zugang gesperrt; die renovierungsbedürftige Burg wartet seitdem geduldig auf bessere Zeiten und wacht weiterhin über die Donau.

Rotes Blatt Greifenstein

Herbstblatt

Nachdem es mittlerweile doch kalt geworden war, verstauten wir die Badesachen wieder in den Radtaschen und machten uns auf den Weg zurück Richtung Wien. Zunächst ging es über einen Damm auf die linke Seite des Donaualtarms – ein Weg, den ich bis dahin nicht gekannt hatte und von dem ich sofort begeistert war, da man ganz nah am Wasser fahren kann. Diese Art von Brücke sollte es öfter geben!

Das Gasthaus Jarosch kannte ich hingegen noch von Ausflügen mit den Eltern in meiner Kindheit; heute ist es leider geschlossen. Anschließend überquerten wir beim Kraftwerk Greifenstein, auf dem wir ungewöhnlich viele schwarze Kormorane sehen konnten, die Donau und fuhren auf der Korneuburger Seite zurück. 

Vom Burgblick zum Donaublick

Mittlerweile hatte sich die Sonne durchgesetzt und wir fuhren mit dem schönsten Abendlicht im Rücken zurück Richtung Wien. Als wir schon die ersten Hochhäuser in der Ferne sehen konnten, beschlossen wir spontan, eine letzte Pause beim Imbissstand Donaublick einzulegen. Der Name ist dabei natürlich Programm!

Sonnenuntergang Greifenstein

Abendliche Kanuausfahrt

Gut gestärkt legten wir die letzten Kilometer nach Wien zurück. Die Donau überquerten wir am Steinitzsteg und fuhren dann dem Donaukanal entlang in die Stadt hinein und weiter bis nach Hause. Aus dem nachmittäglichen Badeausflug war eine stattliche Tour von 60 Kilometern geworden!


Literaturquelle:

Die Informationen über die Burg Greifenstein stammen von hier.

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